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Sechsmal versammelt sich die Kommunität zum gemeinsamen Gebet: viermal zu den Tageszeiten, einmal zur Hl. Messe und einmal zur kurzen Anbetung nach dem Mittagstisch. Das klösterliche Chorgebet wird an vier markanten Zeiten des Tages vollzogen:

Die Morgenhore am Tagesbeginn. Sie hat sich aus der alten Matutin (Mette) entwickelt und wurde früher nach Mitternacht rezitiert oder gesungen. Sie besteht auch heute noch aus einem Vigil-Teil (lat. vigiliae = Nachtwache). Ihre Gedanken kreisen daher um Nacht und Licht, ihre Psalmen sind zum Teil heilsgeschichtlich. Meditativer Mittelpunkt der Vigil ist eine längere Lesung.

Der zweite Teil dieser Hore nimmt die alte Gebetstradition der Laudes ("Lobgesänge") auf. Nun bricht der Tag an. Christus wird als die aufgehende Sonne begrüßt. Die Mönche beten diese Chorzeit in der Hauskapelle innerhalb der Klausur, da zu dieser frühen Stunde noch keine auswärtigen Besucher am Gebet teilnehmen. Diese Hore dauert gewöhnlich etwa 40 Minuten, an Hochfesten länger.

Die Mittagshore - auf der Höhe des Tages  bildet gewissermaßen die Halbzeit des Arbeitstages. Gott wird gebeten, er möge "die wechselhafte Zeit" lenken und die Menschen zur Brüderlichkeit anleiten (Lesungen). Diese Hore ist mit einem längeren Stillgebet und der Gewissenserforschung des einzelnen verbunden.

Die Abendhore entspricht in ihrem Aufbau ganz der alten kirchlichen Vesper. Sie wird in der Kirche gesungen. Angesichts der hereinbrechenden Dunkelheit heißt es in einem der Hymnen:

O sel'ges Licht, Dreifaltigkeit,
Du ein'ger Gott von Anbeginn!
Nun, da die Sonne uns verlässt,
Geh uns dein Licht im Herzen auf!

Zum Zeichen, dass dieser Gott unsere Nacht erhellt, brennen jetzt auf dem Altar die Kerzen. Höhepunkt der Abendhore ist das neutestamentliche Canticum ("Preisgesang"). Die Vesper dauert etwa eine halbe Stunde. An Sonntagen und Festen wird sie feierlich gestaltet durch Altardienst und den sakramentalen Segen. An diesen Tagen wird auch zur sinnbildlichen Bekräftigung der Gebetsbewegung der Weihrauch verwendet.

Die Nachthore beschließt den klösterlichen Tag. Es ist die alte Komplet, so genannt, weil mit der hora completa (vollendete Stunde) nun auch der Tag vollendet und abgeschlossen ist. Die Gedanken dieser Hore kreisen um den Segen für die Nacht, um eine gute Sterbestunde und um die Fürbitte der Muttergottes. Hier hat die Marianische Antiphon ihren Ort.