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Zweifellos erfüllt jemand, der sich zum klösterlichen Stand berufen fühlt, nicht die durchschnittlichen Vorstellungen eines in unserer Zeit und Gesellschaft lebenden Menschen. Seine Verzichte auf Besitz, Erotik und Selbstbestimmung stempeln ihn in vieler Augen zur Ausnahme-Existenz. Sie meinen, er flüchte sich aus Lebensangst oder Menschenfurcht hinter die Mauern eines Klosters, er habe nicht die Vitalität oder Intelligenz, die nötig ist, sich im Daseinskampf zu behaupten.

Wer jedoch in eine benediktinische Gemeinschaft hineinschaut, wird feststellen, dass keine geringeren Erwartungen an den Bewerber gestellt werden, als im normalen Berufsleben.

Aufnahme in ein Kloster

Voraussetzung für eine Aufnahme ins Noviziat sind neben den religiös-spirituellen Kriterien eine abgeschlossene Berufsausbildung oder das Abitur. Im einjährigen Noviziat und in der dreijährigen Gelübdezeit prüfen Magister (Novizenmeister), Abt, Senioren und Konventkapitel durch sechsmalige sog. "Skrutinien" (Ermittlungsgespräche) die Eignung des Probanden zum Ordensleben, seine Gemeinschaftsfähigkeit, seinen Arbeitseinsatz, seine seelische und körperliche Gesundheit. Dies ist notwendig, weil jedes potentielle Vollmitglied einmal die Existenz eines Klosters verantwortlich und mit gesundem Urteil mitbestimmen muss.

Religiöses Leben

Schwerer ist schon die Ermittlung der religiösen Qualitäten: Ist wirklich die Gottessuche oberstes Ziel des jungen Mönches, seine Liebe zur Liturgie und zum geistlichen Leben allererster Beweggrund für seine Berufswahl, seine Bereitschaft, für die Kirche und für die christliche Glaubensbotschaft sich voll einzusetzen unter Hintanstellung subjektiver Wünsche sein unablässiges Motiv? Dass hier die Selbsterforschung des Bewerbers und des jungen Mönches, ja des Mönches überhaupt eine unersetzbare Rolle spielt, dürfte jedermann klar sein.

Berufung

Berufung ist letztlich jene stille und eindringliche Übereinkunft, die der Mensch spürt, wenn er sich in Gewissenserforschung, Gebet, Reflexion dem rufenden Gott stellt und vor dem Allwissenden seine Entscheidung trifft, die darauf zielt, dass die unbedingte Nachfolge Christi ihn völlig einfordert.