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Obwohl Benedikt mit seinem Gemeinschaftskloster auf europäischem Boden dem Mönchtum überhaupt einen Neuansatz ermöglicht hat - so dass fortan das Abendland ohne das benediktinische Element nicht denkbar ist -, greift er doch selbst in seiner Regel auf die Erfahrungen des Mönchtums vor seiner eigenen Zeit zurück. Er kennt die Schriften der alten Mönchsväter und hat selbst längere Zeit als Einsiedler gelebt.

Das Mönchtum wird immer wieder diese ältesten Quellen beachten müssen, um die religiösen Urerfahrungen Erfahrungen des Gebets, der Stille, des Gottsuchens - auf sich selbst anzuwenden. Es sind sehr wenige und sehr einfache geistliche Modelle und Vollzugsweisen, die dem mönchischen Leben aller Zeiten zugrundeliegen. Sie sind auch gar nicht sensationell. Benedikt nennt sie nüchtern und schlicht: das GEBET, die HEILIGE SCHRIFT, die HEILIGE LESUNG und die INSTRUMENTE DER GUTEN WERKE.

Die Mönchsregel nennt keine ausgeklügelten Theorien der Meditation, Kontemplation, Mystik und asketischer Höchstleistungen. Vielleicht beruht gerade auf dieser fundamentalen Einfachheit die überzeitliche Gültigkeit des Benediktinertums. Der geistliche Raum, den der einzelne Mönch - heute wie je - hat, ist so groß, dass er seine Individualität und Originalität darin leben kann. Niemandem im Kloster ist es verwehrt, das Überkommene innerhalb eines bestimmten Rahmens zu bereichern, Erkenntnisse aus anderen Kulturen und Zeiten - auch aus der modernen Psychologie etwa - zu verwerten, um daraus persönliche und seelsorgliche Hilfen zu gewinnen.

Ein Unding wäre es freilich, in einer Abtei so etwas wie ein Experimentierfeld moderner oder auch nur modischer Formen der Seelenhygiene zu suchen. Ebenso aber geht irre, wer im Kloster Relikte einer romantischen Traumwelt zu finden hofft, um sich den Realitäten unserer Zeit zu entziehen.

Die Folgerichtigkeit des mönchischen Lebens heute liegt gerade darin, dass er Christus - als seinem Meister (magister) nachfolgt mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen. Und dies auf dem Hintergrund unserer Zeit. Aus diesem Grund ist das vielfältige Arbeitsfeld eines Klosters immer wieder das beste Korrektiv auch für das geistliche Leben. Wohlgemerkt: nie soll die Arbeit das Gebet zurückdrängen - dann wäre das Mönchtum erledigt; vielmehr soll sie es immer wieder aktualisieren, d. h. in den jeweiligen Wirklichkeitszusammenhang hereinholen.