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(II,32,1) Eines Tages war Benedikt mit den Brüdern zur Feldarbeit hinaus gegangen. Da kam ein Bauer zum Kloster und trug seinen toten Sohn auf den Armen. Von Trauer über den Verlust aufgewühlt, fragte er nach dem Vater Benedikt. Als man ihm sagte, er sei mit den Brüdern auf dem Feld, legte er den Leichnam seines Sohnes vor den Eingang des Klosters, und von Schmerz verstört, stürzte er davon, um den ehrwürdigen Vater zu suchen.

(II,32,2) Zur selben Stunde war der Mann Gottes mit den Brüdern schon auf dem Heimweg von der Feldarbeit. Sobald der Bauer, der seinen Sohn verloren hatte, Ihn sah, schrie er: »Gib mir meinen Sohn zurück, gib mir meinen Sohn zurück! « Bei diesem Aufschrei blieb der Mann Gottes stehen und sagte: »Habe denn ich dir deinen Sohn genommen?« jener erwiderte ihm: »Er ist tot! Komm, mach ihn wieder lebendig! «

Als der Diener Gottes dies hörte, wurde er sehr traurig und sagte: »Geht, liebe Leute, geht! Das ist nichts für uns, sondern für die heiligen Apostel. Warum wollt ihr uns Lasten aufbürden, die wir nicht tragen können?«

Heftiger Schmerz aber drängte den Bauern, so dass er nicht von seiner Bitte abließ; er beteuerte, erst dann fortzugehen, wenn Benedikt seinen Sohn wieder lebendig gemacht habe. Da fragte ihn der Diener Gottes: »Wo ist er?« jener antwortete: »Sein Leib liegt vor dem Eingang des Klosters.«

(II,32,3) Als der Mann Gottes mit den Brüdern dort angekommen war, kniete er nieder und legte sich über den kleinen Leib des Kindes; dann richtete er sich auf, erhob die Hände zum Himmel und betete: »Herr, schau nicht auf meine Sünden, sondern auf den Glauben dieses Mannes, der darum bittet, dass sein Sohn auferweckt werde, und gib diesem kleinen Leib die Seele zurück, die du ihm genommen hast.«

Kaum hatte er das Gebet beendet, da kam das Leben zurück und der kleine Knabe begann am ganzen Leib zu beben. Alle Anwesenden sahen mit eigenen Augen, wie er auf wunderbare Weise sich regte und bewegte. Sogleich fasste Benedikt den Knaben an der Hand und gab ihn seinem Vater lebend und gesund zurück.

(II,32,4) Dieses Wunder, Petrus, tat er offensichtlich nicht aus Vollmacht, da er kniefällig darum bat, es wirken zu können.

PETRUS: Offenkundig verhält sich alles so, wie du es darstellst, denn deine Worte belegst du mit Tatsachen. Aber erkläre doch, ob heilige Männer alles können, was sie wollen, und alles erreichen, was sie zu erhalten wünschen.